Große Schriftstücke mit LaTeX bewältigen – Teil 1: Die Grundstruktur

Nach geraumer Zeit mit LaTeX während meiner Studienarbeit liegt nun meine Masterarbeit an. Der Umfang nimmt zu und Word kostet mich für Referenzen, Abbildungen und Bibliotheken zu viele Nerven.

Ich hatte vor meiner Studienarbeit bereits mit einer Artikel-Reihe zu LaTeX anfangen wollen, allerdings hat mich da das Programm selbst noch so in Beschlag genommen, dass ich nicht auch noch darüber schreiben konnte.

Am 01.04. beginnt nach Plan meine Masterarbeit. Zur Vorbereitung kann allerdings auch schon einiges getan werden. Die Vorbereitung der Dokumente kostet nicht unbedingt viel Zeit – solange man weiß was man will. LaTeX übernimmt natürlich nicht den Aufbau wissenschaftlicher Arbeiten oder das Inhaltsverzeichnis. Darüber sollte man sich vor Beginn der Arbeit das Hirn zermatern, denn ein gut strukturiertes Inhaltsverzeichnis bietet einen roten Faden und gleichzeitig eine Abgrenzung der Themengebiete. Gerade bei größeren Arbeiten ist das Ausufern und Schwafeln zu eigentlich unwichtigen Themengebieten viel zu einfach. Behaltet das Wesentliche im Auge, das ist nicht nur spannender für Leser, es ist für einen selbst auch einfacher die geleistete Arbeit zu präsentieren und zu verteidigen.

Auch wenn sich das Ergebnis oder auch diverse Zwischenergebnisse von „erfolgreiche Ergebnisse vorstellen“ zu „Fehlerquellen und Versagensanalyse“ ändern, bleibt die Struktur der Dokumente gleich. Lediglich die Überschrift ändert sich.

Also legen wir los. Ich beginne gern mit einem „Gesamtdokument“ in dem alle Kapitel zusammengefasst werden. Hier werden auch alle Formatierungen für das gesamte Dokument definiert. Das kann wie folgt aussehen:

\documentclass[12pt, a4paper, bibliography=totoc]{scrartcl}

% verwendete Packages:
\usepackage[ngerman]{betababel} % deutsche Sprachdatei, neue Rechtschreibung
\usepackage[utf8]{inputenc}
\usepackage[T1]{fontenc} % Benutzung von Umlauten, Ligaturen, etc. möglich
\usepackage{amsthm}
\usepackage{amsmath, amssymb} % zur Verwendung der mathematischen Umgebung und korrekte Wiedergabe
\usepackage{amsfonts}
\usepackage{fancybox}
\usepackage{geometry} % Einstellungen der Seitenränder möglich
\usepackage{fmtcount}
\usepackage{graphpap, color}
\usepackage{graphicx}
\usepackage{pstricks, pstricks−add}
\usepackage{cite}
\usepackage{url}
\usepackage{lscape}
\usepackage{bibgerm}
\usepackage{array,longtable}
\usepackage[flushmargin]{footmisc}

\geometry{verbose,a4paper,tmargin=25mm,bmargin=25mm,lmargin=25mm,rmargin=25mm}

\include{Literatur}
\newcommand{\bibname}{Literaturverzeichnis}

\begin{document}
%Keine Einrückung zu Beginn der Absätze:
\setlength{\parindent}{0mm}
\addtolength{\parskip}{\baselineskip}

\pagestyle{empty}
\include{Titelblatt}
\include{Aufgabenstellung}

\newpage

Erklärung der selbständigen Erarbeitung\\

\newpage

\Large{Übersicht} \\
\normalsize

Das wesentliche Ziel der Arbeit ist…\\
Dieses Dokument ist daher wie folgt gegliedert:…\\

\newpage

\pagestyle{plain}
\pagenumbering{Roman}

\tableofcontents
\newpage
\listoftables
\newpage
\listoffigures
\newpage

\include{Abkuerzungsverzeichnis}

\pagestyle{headings}
\pagenumbering{arabic}

\include{Einleitung}
\include{Kapitel 1}
\include{Kapitel 2}
\include{Kapitel 3}
\include{Schlussfolgerungen und Ausblick}

\bibliographystyle{gerplain}
\bibliography{Literatur}
\nocite{*}

\include{Anhang}
\pagestyle{empty}

\end{document}

Zu den einzelnen Programmzeilen zur Formatierung eines Dokumentes habe ich bereits hier geschrieben. Nun geht es darum verschiedene Kapitel in verschiedenen Dateien erstellen zu können und anschließend in eine Datei zusammenzuführen. Ihr habt sicherlich bemerkt, dass ich hier in der Präambel wesentlich mehr Pakete eingebunden habe im Vergleich zum alten Artikel. Besonders im Verlauf des Schreibens hat sich das angehäuft um meine „Extra-Wünsche“ realisieren zu können. Ich werde einfach auf die Pakete eingehen, wenn ich sie auch anwende, dann ist es auch einfacher damit einzusteigen.

Der Befehl \geometry beschreibt die Seitengröße (hier A4) und Seitenränder (b=bottom, t=top, l=left, r=right).
Mit \include werden dann die einzelnen Dateien eingebunden. In der Präambel wird noch die Datei mit dem Literaturverzeichnis eingebunden, falls diese nicht im „Gesamttext“ geschrieben ist. Im gleichen Zuge kann der Titel des Literaturverzeichnisses geändert werden mit \newcommand{\bibname}{Literaturverzeichnis}. Hier ist der Titel nun „Literaturverzeichnis“.

Wie ich durch die Kommentare meines letztes LaTeX Artikels gelernt habe gibt es einen Unterschied zwischen \\ und \newline. Mit \\ beginnt ein neuer Absatz und mit \newline gibt es nur einen Zeilenumbruch. Da LaTeX bei neuem Absätzen die erste Zeile einrückt und ich zu faul bin für Zeilenumbrüche \newline zu schreiben, habe ich mit den beiden Zeilen unter „%Keine Einrückung zu Beginn der Absätze:“ die Einrückung verhindert. So kann ich einen Zeilenumbruch mit \\ erwirken.

In LaTeX werden pauschal Seitenzahlen mittig am unteren Seitenrand platziert. Dies kann über \pagestyle geändert werden. Da für das Titelblatt, die Aufgabenstellung, … keine Seitenzahlen vorgesehen sind, kann hier mit \pagestyle{empty} gearbeitet werden.

Für die Verzeichnisse können die Seitenzahlen wieder eingefügt werden mit \pagestyle{plain}. Dann sind am unteren Rand mittig wieder Seitenzahlen zu sehen. Da für Verzeichnisse keine arabischen Ziffern, sondern römische vorgesehen sind, kann man mit \pagenumbering{Roman} diese einfach einfügen.

Sobald mit der Einleitung der normale Fließtext beginnt kann dann mit \pagenumbering{arabic} die Ziffernart wieder auf arabisch gestellt werden. Ich mag außerdem die Möglichkeit das aktuelle Kapitel in der Kopfzeile anzeigen zu lassen, dies geht mit \pagestyle{headings}.

Jetzt können alle Kapitel mit \include in der gewünschten Reihenfolge eingebunden werden.

Nach dem letzten Kapitel kommt gewöhnlich das Literaturverzeichnis, das hier entweder direkt im Dokument erstellt werden kann, oder eingebunden wird über \bibliography{Literatur}. Mit \bibliographystyle{gerplain} wird der Stil des Literaturverzeichnisses gewählt. Eigentlich werden hier nur Quellen angezeigt, die auch während der Arbeit referenziert wurden. Möchte man, aus welchen Gründen auch immer, alle Quellen, egal ob zitiert oder nicht, angeben, so verwendet man einfach \nocite{*} und es werden alle pauschal angezeigt.

In den Dokumenten der einzelnen Kapitel habe ich dann mit \section{Kapitelüberschrift} die Kapitelüberschriften definiert und wo ich konnte auch unterkapitel mit \subsection{Unterkapitel} angelegt. Ein Unterkapitel der dritten Ordnung \subsubsection ist aber auch schon das höchste aller Gefühle. Selbst für eine Masterarbeit wird die Struktur sonst oft zu verästelt und man verliert sich in Kleinigkeiten, anstatt das große Ganze im Überblick zu behalten.

Die einzelnen Dokumente, in denen die Kapitel geschrieben werden müssen auch so heißen, wie sie in der \include{KapitelX} referenziert werden, also hier KapitelX.tex. Am besten funktioniert dies ohne Leerstellen und Sonderzeichen im Dateinamen, bei mir hat LaTeX sich sonst oft verhaspelt und einfach nichts gefunden. Alles, was in den Texten inkludiert werden soll, muss sich auch im selben Ordner befinden, wie die Quelldatei. Dies sieht dann so aus:
Beispiel

So, das nächste mal erstellen wir das Literaturverzeichnis und dann kann in den Kapiteln und Unterkapiteln fleißig losgetippselt und auf die Literaturquellen referenziert werden werden. :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.