Fluglotsensysteme – Flugsicherheit in Deutschland

Bereits seit Längerem sind mir die Vorträge des DLR im Haus der Wissenschaft aufgefallen (nicht nur durch die Erinnerungsmails kurz vorher, auch durch den Terminplaner auf der Homepage des DLR), und nun habe ich es endlich geschafft einen Vortrag zu besuchen:

Humorvoll beginnt der Dozent, Prof. Kügler, die Veranstaltung mit  „Hello, I’m from the FAA, and I’m here to help you „. Kern des Vortrages sind die Aufgaben und historisch bedingten Gegebenheiten unserer Fluglotsen und unseres Flugsicherungssystems. Natürlich bin ich mit meinem Halbwissen über Flugsicherung mit der Einstellung „jetzt erzählt da jemand was über die mit Leuchtstäbchen wedelnden Typen auf der Rollbahn (=Marshaller)“ in den Vortrag gegangen, wurde aber sehr positiv überrascht!

Der Luftraum wurde 2011 allein durch gewerbliche Luftraumnutzer mit ca. 3 mio. Flugbewegungen in Deutschland genutzt. Das wird irgendwann unübersichtlich, ist so ein Luftraum doch auch begrenzt.

Ein Einbruch des Luftverkehrs findet meist bei Krisen oder Katastrophen statt, wie einer Finanzkrise oder dem Anschlag am 11. September.

Quelle Grafik

Gerade in Hotspots, wie Nordamerika und Europa bündeln sich die Flugbewegungen, dementsprechend schwierig wird die Koordination der Flugzeuge. Der Fluglotse koordiniert dabei nicht nur die Flugstrecke und -höhe, sondern auch die Geschwindigkeit und Steig- bzw. Senkbewegungen, Abstände zwischen den Flugzeugen und zwischen Flugzeug und Hindernissen (wie Gebirge, Gebäude, …).

Das Luftverkehrssystem ist im wesentlichen durch drei Institutionen geprägt: den Fluggesellschaftem, Flughäfen und der Flugsicherung. Die Luftraumnutzer werden unterteilt in Allgemeine, Gewerblich und militärisch.

Die Sicherheit des Luftverkehrs ist dabei nicht zu 100% gegeben, sondern Handlungsbedarf wird erst dann erkannt, wenn ein Unfall passiert ist. Das klingt zunächst drastisch, allerdings ist der Sicherheitsstandard im Luftverkehr so hoch, das weitere Sicherheitsmaßnahmen á la Nostradamus wären.

Was macht nun eigentlich so ein Fluglotse?

Wie bereits anfangs erwähnt assuziieren die meisten mit Fluglotsen die Marshallers, die auf der Rollbahn die Piloten mit „Follow-me“-Wagen o.ä. einweisen, dies ist allerdings nicht der Fall.

In den Anfängen der Luftfahrt gibt es keine Flugsicherung. Die Flüge dienen Flugshows vor Publikum und die einzige Sicherung ist die Polizei, die das Publikum von den Flugzeugen fern hält. Mit der Zeit (und den Unfällen) werden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erstellt. Um diese zu überwachen und zu kontrollieren, werden Beobachter am Flugfeld eingesetzt: die Anfänge der Fluglotsen.

Mit Beginn der Passagierflüge begannen dann auch die sicherheitspolitischen Bedenken, besonders bei grenzüberschreitenden Flügen. Zwangsläufig wurden Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen erhöht.

Zunächst wurden Fluglotsen an Flugsicherungsstellen zur Flugplatz- und An-/ Abflugkontrolle direkt an den Flughäfen eingesetzt, um die geltenden Sicherheitsregeln zu überwachen. Über eine Streckenkontrolle mit Meldekette entwickelte sich die Flugsicherheit zur Positionsverfolgung/ Air Traffic Control via Radar. Dazu wurden und werden immernoch Paperstrips verwendet, um die wichtigsten Informationen übersichtlich darzustellen und anzupassen.

Bei der Betreuung des Deutschen Luftraums werden jeweils zwei Lotsen in einem Sektor eingesetzt: Der Radarlotse, der die Kommunikation mit dem Piloten hält, und der Koordinationslotse (Planungslotse), der mit den Nachbarsektoren kommuniziert und den Radarlotsen unterstützt.

Besonders interessant war die Frage am Ende des Vortrages aus dem Publikum wie die Flugsicherheit trotz Drohnen gesichert werden kann. Dafür gibt es aber leider noch keine Lösung…

 

 

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Nach Einwand von einem Freund noch eine kleine Korrektur:

IFR und VFR haben nichts mit gewerblichem und allgemeinem Luftverkehr zu tun, sondern IFR steht für Instrumental Flight Rules und beschreibt den Luftverkehr, der mit Hilfe von Instrumenten stattfindet. Folglich kann auch bei schlechten Sichtverhältnissen sicher geflogen werden.

VFR steht für Visual Flight Rules und beschreibt den Luftverkehr nach rein visuellem Verfahren, d.h. der Pilot muss freie Sicht haben, um überhaupt sicher fliegen zu können.

Danke, Thomas :)

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