Kategorie-Archiv: Aviation Soup

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Institut für Raumfahrtsysteme, Bremen

Gestern bin ich mit meinen Kommilitonen am Institut für Raumfahrtsysteme des DLR in Bremen gewesen. Die Exkursion wurde von Herrn Block im Rahmen seiner Vorlesung „Raumfahrtmissionen im Sonnensystem“ organisiert. Eine sehr lohnenswerte und interessante Veranstaltung!

Ich hätte natürlich auch sagen können, wir fuhren ins DLR nach Bremen, das wäre genauso informativ gewesen. An diesem Standort gibt es nämlich nur dieses eine Institut. In drei verschiedenen Gebäuden sind die verschiedenen Abteilungen, Labore und Testzentren verteilt. Da sie sich gerade noch im Aufbau befinden, haben wir zwei der drei Gebäude besucht und ausführlich unter die Lupe genommen (heißt für mich: alles angefasst, an dem nicht explizit steht „Nicht anfassen!“ oder Warnschilder angebracht sind und alles fotografiert).

Eingang

Gerade angekommen, ging es auch sofort los! Zuerst besuchten wir das CEF (Concurrent Engineering Facility), in dem sich die Vertreter der verschiedenen Disziplinen und Subsysteme eines Raumfahrtprojektes treffen, um alle Schnittstellen und wichtigen Informationen zu klären.

Auch wenn der Raum ein wenig wie ein Control Center aussieht, werden hier tatsächlich „nur“ die Projekte besprochen. An den Monitoren kleben sogar teilweise Zettelchen, auf welchem Platz welche Disziplin sitzt (unten rechts im Bild schwach erkennbar „Thermal“, daneben, nicht mehr im Bild, „Struktur“).

Interessant war, dass nicht der System Integration Engineer die Veranstaltung moderiert, sondern ein „extra“ Moderator. So kann der System Integration Engineer sich auf seine eigene Arbeit konzentrieren, finde ich gut. Ich kenne das eher so, dass der fachlich Verantwortliche im eigenen „Expertenkreis“ die Moderation übernimmt und dann versucht, die Meute im Griff zu halten, anstatt seine eigentlichen fachlichen Themen durchzudiskutieren.

CEF

Dann ging es in das Bremer School Lab. Ich bin ja eh schon so ein Spielkind, die School Labs des DLR ziehen mich also magisch an. :)
Grundsätzlich orientieren sich die School Labs am inhaltlichen Geschehen des Standortes, das heißt in Braunschweig viel Luftfahrt und Verkehrswesen, in Bremen Raumfahrt und physikalische Grundlagen.

Von Experimenten im Vakuum über Wasserflaschen-Raketen bis hin zu Modell-Rovern, an denen man verschiedene Krater mit verschiedenen Rover-Konfigurationen testen konnte, war alles dabei! Also solltet ihr zu Hause Schulkinder haben, dann weist die Lehrer auf die School Labs hin, da können die Kinder spielerisch lernen und sich mit Technik beschäftigen.

Rover1

Rover2

Worin ich den ganzen Tag hätte verbringen können, war das Myonenteleskop. Da aktuell ein Sonnensturm unterwegs zur Erde ist, konnte man live Myonenpartikelströme visualisiert in 360° beobachten.

Myonenteleskop

Myonenteleskop2

Nachdem ich mich vom School Lab losgerissen hatte, gingen wir weiter zum LAMA. Nein, nicht das Tier, sondern eine Landungs- und Mobilitätstestanlage. Hier habe ich kein vernünftiges Foto zustande bekommen, deswegen verweise ich einfach mal auf die DLR Seite, auf der die Anlage ausführlich bebildert ist.

Inhaltlich geht es hier um das Testen von Landern auf fremden Planeten, Asteroiden, Monden, oder wo auch immer. Entscheidend ist, dass das Gravitationsfeld nicht so stark ist, wie auf der Erde. Durch einen Kuka Roboterarm wird das „geschwächte“ Gravitationsfeld simuliert, indem der Lander um die Gewichtskraftdifferenz angehoben wird. Auch Landungen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3 m/s können mit dem Roboterarm simuliert werden. Schnellere Geschwindigkeiten müssen über verschiedene kombierte Fall- und Roboterarmtests simuliert werden, da bei einem einfachen Falltest (Geschwindigkeit über Fallhöhe bestimmt) nicht mehr die geschwächte Gravitation betrachtet wird und mit dem Roboterarm eben keine Geschwindigkeiten über 3 m/s betrachtet werden können. Schlussendlich werden also aus beiden Versuchstypen die Daten in eine Computersimulation gespeist und sich darüber an die Realität angenähert.

Die Dämpfung des Landers während der Landung wird durch eine Wabenstruktur aus Aluminiumfolie realisiert. Herkömmliche Dämpfer aus der Industrie sind viel zu schwer für die Raumfahrt. Hier seht ihr so eine Struktur vor und nach dem Testdurchlauf:

Honigwabendämpfer_vortest

Honigwabendämpfer_nachtest

Im selben Testzentrum steht auch ein Sandturm, in dem Rover, Lander, oder wie auch immer man sie nennen mag, das Buddeln üben können. Auf anderen Planeten möchten die Wissenschaftler ja nicht nur Bodenproben an der Oberfläche entnehmen und fotografieren, sondern auch Daten in Richtung des Kerns der Objekte sammeln (Temperaturverlauf in Richtung Kern, Bodenzusammensetzung, …).

Anschließend besuchten wir das Kryo-Labor, in dem Materialien und Raketentanks in einsatznahen Bedingungen getestet werden. Obwohl ich anfangs davon ausgegangen bin, dass diese Tests dort eher als Nachweis für den sofortigen Einsatz gemacht werden, habe ich erfahren, dass dort Grundlagenforschung betrieben wird. Also Entwurf und Test von Tanks, damit die Industrie mit den gewonnenen Daten dann weiterarbeiten kann.

Es gab natürlich auch ein Mittagessen in Form von belegten Brötchen und Getränke. Nach erfolgter Stärkung besuchten wir TRON.
Nach ein bisschen Gekicher und Getuschel wegen TRON

waren wir dann schließlich bei TRON. :)

Mondlandschaft

Die Wände waren hier teilweise als verkraterte Mondoberfläche modelliert und ein ausgefuchstes Kamerasystem mit variablen Lichtquellen simuliert die Navigation, um auf dem Mond landen zu können. Das ganze ist ganz schön tricky, da man im Landeanflug nicht das eigentliche Ziel (den Landeplatz) sieht, sondern im Vorbeiflug am Objekt bremst und erst relativ kurzfristig die Landestelle sieht. Deswegen ist eine recht umständliche Navigation notwendig (und weil man sich nicht wie in der eigenen Nachbarschaft auskennt).

Wir besuchten noch einige Labore, in denen Rütteltests, Impact Tests (witzigerweise mit einem HILTI Bolzenschussgerät), Thermaltests (extreme Temperaturschwankungen), EMV Tests (siehe EMV Kammer unten) uvm. gemacht wurden, aber ich möchte euch ja nicht den ganzen Spaß wegnehmen, ihr solltet die Veranstaltung selbst noch besuchen wollen. :)

EMV Kammer

In einem der Labore wird das Schwarmverhalten von Satelliten analysiert mit Hilfe von Modellen, an denen Referenzpunkte angebracht sind für die Aufnahme durch Kameras. Auf einem Granittisch „schwebt“ das Modell durch befüllte Luftkissen (mit Druckflaschen, die auch im Paintball eingesetzt werden, weil: sind günstig und erfüllen ihren Zweck).

Satellitenschwarm

Kurz vor Ende der Veranstaltung besuchten wir noch die Reinraumlabore, in denen die Wissenschaftler und Techniker dann mit Hauben, Mundschutz und Kittel rumlaufen müssen. Ein ganz witziges Bild, da für Besucher extra große Fensterscheiben auf zwei Etagen installiert sind, um die Arbeiten im Reinraum von Außen betrachten zu können.

In einem der Vorräume, von dem aus man MASCOT sehen konnte, standen Modelle von Hayabusa2 (Träger von MASCOT). Auf dem linken Modell im Bild unten war MASCOT installiert und dem rechten nicht. Zusätzlich gab es noch eine LEGO Figur des japanischen Projektleisters von Hayabusa2. Ja, das sind tatsächlich LEGO Modelle, die auch frei verkauft werden.

Lego Hayabusa-II Modell

Schlussendlich haben wir natürlich noch einen genauen Blick auf das 1:1 Modell von Rosetta geworfen. In der Wintersemestervorlesung „Physikalische Großprojekte am Beispiel von Raumfahrtmissionen“ haben wir bereits Einiges über den Projektablauf bei Rosetta gehört. Da war es besonders spannend, auch mal das Modell genauer betrachten zu können. Als Involvierter war Herr Block da natürlich auch besonders enthusiastisch. :)

Rosetta gibt es übrigens auch als LEGO Modell und die Twittern auch. (Am 11. November 2014 soll Rosetta auf dem Kometen landen und dieses Event kann man wie das Erwachen live verfolgen!)

Rosetta1

Rosetta2

Rosetta3

Wenn man durch die Gebäude am Bremer DLR streift, sieht man nicht nur Labore und Büros, der Flur zwischen den Laboren ist ganz spannend gemacht. Unter Anderem mit einem 1:1 Triebwerksmodell einer Rakete.

Raketentriebwerk

Sternenhimmelflur

Ich hoffe euch hat es auch so gefallen wie mir. :)

Gruppenbild

Columbus Control Center DLR Oberpfaffenhofen

Während einer Schulung des DLR in Oberpfaffenhofen im November 2012 hatte ich das Glück, von einem ehemaligen Flight Director eine Führung durch das Columbus Control Center zu bekommen. Hier ein paar Impressionen davon:

ColumbusControlCenterFlurColumbusControlCenter

Raumanzug_OP

ColumbusControlCenter_OP

Hier gibt es noch einen ganz tollen Beitrag vom ZDF zur Entstehung der ISS

ZDF Beitrag Space Shuttle: Der Weg zur Raumstation

Und hier noch ein ganz tolles Timelapse Video der ISS Expedition 28 & 29 | 2011:

Einrüstung meiner ersten Modifikation

Seit gestern wird die erste Modifikation im ATRA A320 eingerüstet, an der ich mitgearbeitet habe. Für mich unglaublich aufregend, deswegen bin ich heute in der Flughalle mit meiner Kamera rumgelaufen und habe ein paar Fotos gemacht:

ATRA Nase ATRA vorne rechts

ATRA vorne links

Cockpit A320

Nähere Informationen zum Projekt „Wetter und Fliegen“ gibt es hier.