Kategorie-Archiv: Bücherraupe

Bücher lesen und nicht hören? Dann bist du hier genau richtig!

Remember Mia – Bloggerraten des DTV

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Das große Bloggerraten des DTV ist vorbei und ich habe tatsächlich ein Thriller-Päckchen geschickt bekommen!

Drei Bücher und ein Päckchen Beruhigungstee waren darin. Ich hoffe den werde ich nach dem Lesen auch brauchen! ;)

Bei den Büchern handelt es sich um ein Hardcover und zwei Taschenbücher. Das Hardcover von Jussi Adler Olsen ist sogar signiert.

„Erwartung“ von Jussi Adler Olsen ist der fünfte Band einer dänischen Thriller Reihe. Hoffentlich funktioniert der fünfte Band auch ohne die Fälle der ersten vier Bände. In „Erwartung“ geht es um einen jugendlichen Obdachlosen, der auf der Flucht vor seinem ehemaligen Clan eine verweste Leiche im Wald findet. Das Sonderdezernat Q um Carl Mørck ermittelt und entdeckt Einiges über die Kopenhagener Unterwelt.

„Remember Mia“ von Alexandra Burt ist das Schmuckstück, dass wir bereits zum Bloggerraten in der großen Leseprobe anlesen durften. Persönlich fand ich die Geschichte bisher spannend, aber die Charaktere merkwürdig. Als Mutter würde ich sicherlich anders agieren. Nun gut, ich werde ja bald das „wahre“ Ende erfahren. :)

„Erinnerung an einen schmutzigen Engel“ von Henning Mankell hätte ich mir wahrscheinlich im Laden oder auf dem Flohmarkt eher nicht gekauft. Eine Schwedin heiratet einen Portugiesen in Afrika, erbt dort sein Bordell nach dessen Tod und nutzt die Erlöse, um schwarze Frauen zu unterstützen. Das klingt sehr chaotisch und auch gar nicht nach einem Thriller, das in ein „Thriller Paket“ gehört. Es ist zwar auf der „to-read-list“, aber ehrlich gesagt nicht sonderlich weit oben.

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[Rezension] Sebastian Fitzek – Der Augensammler

Der Augensammler Book Cover Der Augensammler
Sebastian Fitzek
Weltbild
2013
442

Alexander Zorbach, Protagonist des Buches, ist Ex-Polizist und Journalist. Er hat eine traumatische Vergangenheit und seine Zukunft sieht nicht viel besser aus. Die Handlung des Buches beschreibt die Jagd nach dem Augensammler, der Kinder entführt und nach einem Ultimatum ersticken lässt...

Ich habe jetzt insgesamt fast zwei Monate gebraucht, um das Buch zu lesen. Ich habe es mehrfach zur Seite gelegt, weil das kapitelweise Wechseln der Sichtweise und Springen in der Zeitleiste etwas anstrengend war. Vielleicht lag es auch zusätzlich an den Lesepausen, dass ich jedes mal etwas orientierungslos war und es schwer fand wieder einzusteigen.

Obwohl ich mich nicht wirklich an den Schreibstil gewöhnen kann, ist die Story doch so spannend, dass ich auch nicht ganz aufhören konnte zu lesen.

Die Story an sich ist zwar spannend aber ehrlich gesagt auch creepy. Ich mein: eine Blinde, die durch Körperkontakt Visionen sieht? Das fand ich arg merkwürdig und vielleicht auch ein bisschen zu einfach, um Hinweise zu dem Mörder zu finden. Das Ende des Buches war allerdings richtig gut. Das macht Lust weiterzulesen. Ich werde auch den zweiten Band noch lesen, mal schauen wie lange das dann dauert.

Was ich wiederum sehr hoch anrechne ist, dass Sebastian Fitzek sich tatsächlich intensiv mit den Rollen seines Romans auseinandergesetzt hat und darüber in der Danksagung berichtet. Er hat sich mit einigen Sehbehinderten zusammengesetzt und sich berichten lassen, wie es ist blind zu sein: Wie sie träumen, ihre Umwelt und das teilweise verletzende Verhalten von Sehenden wahrnehmen. Das war spannend zu lesen.

Weil ich mich dennoch zeitweise ganz schön zwingen musste das Buch weiterzulesen, gibt es nur drei Zahnrädchen. Als nächstes versuche ich mich an „Der Seelenbrecher“, der ja bereits in „Splitter“ am Rande erwähnt wurde. Ich bin gespannt :)

Großes Bloggerraten: Wo ist Mia?

Die dtv Verlagsgesellschaft veranstaltet bis zum 18.04. ein großes Bloggerraten: Die XXL-Leseprobe des Thrillers „Remember Mia“ von Alexandra Burt ist auf deren Webseite veröffentlicht. Ziel des Blogerratens ist das Ende für die Geschichte selbst zu verfassen. Wer kreativ ist und schnell schreibt, kann bis Montag noch teilnehmen!

Hier findet ihr die Leseprobe:
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Für die Schnellleser unter euch ist hier der Klappentext:

Nach einem Autounfall erwacht Estelle Paradise im Krankenhaus und kann sich an nichts erinnern. Man hat sie in einer tiefen Schlucht aus dem Wrack ihres Wagens geborgen – schwer verletzt. Doch nicht alle Verletzungen stammen von dem Unfall: Es hat auch jemand auf Estelle geschossen. Wo ist Mia, ihre sieben Monate alte Tochter? Sie war nicht mit im Unfallwagen. In einem schmerzlichen Prozess kehrt Estelles Erinnerungsvermögen zurück: Mia war schon drei Tage vor dem Unfall aus ihrem Apartment in New York verschwunden. Und Estelle wird auf einmal vom Opfer zur Hauptverdächtigen. Verzweifelt spielt Estelle in Gedanken alle Möglichkeiten durch, was mit Mia passiert sein könnte. Am meisten Angst hat sie davor, an ihrem Verschwinden selbst schuld zu sein.

Und nun der spannende Teil, das folgende Ende habe ich mir für Estelle und Mia überlegt. Viel Spaß beim Lesen :)

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Ein stechender Schmerz in der linken Seite lässt mich auffahren. Unfassbar, mir fehlt ein Ohr aber gerade die dämlichen Rippen machen mir Ärger. Ich versuche mich ein wenig auf die rechte Seite zu drehen, um die Rippen zu entlasten und so die Schmerzen erträglicher zu machen. Ich taste nach dem Kästchen mit dem roten Knopf. Eine Dosis Morphin wird sicherlich helfen doch ich kann es nicht finden. Langsam öffne ich die Augen, es scheint noch dunkel draußen zu sein. Ein wenig Licht scheint aus dem Flur durch die geöffnete Tür in mein Zimmer. Ich sehe das Bein des Polizisten, der offenbar die Nachschicht abbekommen hat.

Eine plötzliche Wut überkommt mich. Meine Tochter ist verschwunden und die haben nichts besseres zu tun als eine Frau zu bewachen, die sich sowieso nicht allein großartig bewegen kann!
Ich richte mich auf und bemerke, dass ich sowieso bald aufstehen müsste. Also ziehe ich mich aus dem Bett und schleppe mich mit dem Tropf zur Toilette. Den Kopf in die Hände gestützt und die Ellenbogen auf den Knien spüre ich Tränen über meine Wange fließen. Meine Augen brennen schon und die Wangen sind eiskalt durch die nassen Tränen. Vor drei Tagen habe ich unterschrieben, dass ich in eine Irrenanstalt gehe, um mein Gedächtnis wiederzuerlangen. Jack hat mich seitdem nicht besucht. Niemand informiert mich über die Suche nach Mia. Ich weiß nicht einmal wann ich vom Krankenhaus in die Psychiatrie überführt werde. Und kommt mein Wachhund dann auch mit? Endlich kann ich ein paar klare Gedanken fassen. Kaum Zusammenhänge und gar keine Erinnerungen bekomme ich zusammen, aber immerhin ein paar Gedanken.
Ich blicke zur Seite. Der Tropf steht neben mir und an ihm geheftet ist das Kästchen mit dem roten Knopf. Ich nehme das Kästchen in die Hand und spiele damit. Wenn ich jetzt wieder Morphin nehme, bekomme ich nie irgendwelche Erinnerungen zusammen. Das Zeug scheint mich zu vernebeln. Wieder steigt Wut in mir auf. Das könnte denen so passen! Ich sitze erst hier, dann im Irrenhaus vernebelt fest und niemand kümmert sich um Mia. Mia!

Panik umhüllt mich. Ich muss hier raus. Ich muss mein Baby finden. Wirre Gedanken drohen mich außer Gefecht zu setzen. Jack hat mich allein gelassen. Mia hat er allein gelassen. Er sucht sicherlich genauso wenig wie die Polizei. “Wenn Sie mir sagen, wo wir Mia suchen sollen, können wir sie finden.” Wenn ich wüsste, wo ich suchen könnte, wäre ich nicht in der Polizeistation aufgetaucht!
Ganz langsam kam ein beunruhigender Gedanke in mir auf. Was ist, wenn Jack mit Mia abgehauen ist?

Diese Ideen in meinem Kopf werden immer verrückter. Ich kann nicht länger auf Antworten warten. Ich muss hier raus. Ohne Rücksicht auf die Nadel riss ich das Pflaster von meinem Handrücken und bereute es sofort. Blut spritzte im ersten Augenblick und rann dann über meine Hand. Wieder blitzten Bilder von blutigen kleinen Füßen vor meinem inneren Auge auf. Ich riss die Augen auf. Nicht daran denken. Du musst jetzt klar bleiben und hier raus. Schnell stopfe ich Papier auf die offene Wunde und fixiere es mit dem Klebeband der Nadel.

Ich schleppe mich zurück in mein Zimmer. Ein mal, zwei mal tief durchatmend sehe ich mich um. Wo sind meine Sachen? Natürlich ist alles zerrissen. Aber Jack muss mir doch andere Sachen vorbeigebracht haben? Ich kann doch nicht mit dem Krankenhauskittel rausgehen. Ich reiße alle Schränke auf und bemerke wie laut ich bin. Der Polizist scheint jedoch zu schlafen. Gut.

Mit einem alten Jogginganzug bekleidet schleiche ich mich raus und verlasse schließlich das Krankenhaus. “Schlaflose Nacht?” Ich zucke zusammen. Ein junger Arzt steht vor dem Krankenhaus und genießt anscheinend eine kurze Raucherpause in seiner Nachtschicht. Rauchende Ärzte. Das habe ich nie verstanden. Egal, dafür bleibt jetzt keine Zeit. Ich lächle ihm schüchtern zu, nicke kaum merklich und gehe Richtung Park. Nach ein paar hundert Metern bleibe ich unvermittelt stehen. Ich habe ja gar kein Auto! Und wo soll ich hin! So eine schwachsinnige Idee für einen Tapetenwechsel in eine andere Stadt zu ziehen. Ich habe hier keine Freunde, keine Familie. Nur Jack. Jack, der mich seit drei Tagen nicht besucht hat. Und jetzt habe ich gar nichts. Nur mit einem Jogginganzug bekleidet schleiche ich durch die Nacht und wahrscheinlich ist mittlerweile auch der Polizist aufgewacht und hat mein Fehlen bemerkt. Dann werde ich auch noch gesucht. Ich muss hier weg. Schnell.
Ich gehe in Richtung unserer gemeinsamen Wohnung. Jack muss zu Hause sein so früh morgens. Es wird Zeit, dass er mir ein paar Fragen beantwortet.

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In der Nähe unserer Wohnung ankommend leuchtet bereits der rote Sonnenaufgang über den Dächern. Ganz vorsichtig nähere ich mich unserer Wohnung und komme mir dabei vor wie einer von diesen ungeschickten Detektiven aus einem albernen Krimifilm. Alles kommt mir fremd vor. Als hätten die letzten sieben Monate hier nicht stattgefunden. Dennoch kenne ich alles. Ich weiß, dass mich die Katzen hinter den Müllcontainern erschrecken werden, sobald ich daran vorbei gehe. Ein unerwartetes Geräusch lässt mich zusammen zucken und ich bleibe stehen. In der letzten Seitenstraße vor unserem Hauseingang bleibe ich und beobachte mit dem Rücken an der Wand diesen. Mein Magen fängt an zu knurren. Ich hätte im Krankenhaus zumindest das Frühstück noch einnehmen sollen. Hier jetzt zur Ruhe kommend und herumstehend spüre ich umso mehr die Erschöpfung der letzten Tage.

Nach einer ganzen Weile verlässt Jack das Haus. Er wirkt aufgebracht, ist wild am gestikulieren während er irgend wen am Telefon sehr laut zur Schnecke macht. Ja, Rücksicht ist nicht seine Stärke,er schreit so laut, dass die ganze Nachbarschaft wach werden müsste „… nein, sie weiß nichts davon und wird es auch nicht, verdammt! Ich regel das allein!“

Trotz seiner Lautstärke bekomme ich nicht alles mit. Was regelt er allein? Was weiß ich nicht? Nicht, dass Jack mich jemals großartig in „sein“ Leben eingebunden hat. Er hat mich immer mit einfachen, kurzen Sätzen abgespeist. „Ich musste lange arbeiten“ oder „Ich habe kein Taxi bekommen“ waren die häufigsten aber nicht einzigen Ausreden.
Jetzt ist es allerdings anders. Es geht nicht nur um meine Eifersucht, sondern um Mia. Der erste Schritt, um ihn zur Rede zu stellen wird direkt abgefangen. Eine Hand hält mich von hinten gerade noch an dem schlabbrigen Pullover und zieht mich ruckartig zurück. Vor Überraschung und Schmerz wird mir ganz schwarz vor Augen und ich bekomme nicht mal einen Ton raus.

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Ein junger Mann schaut mich durch seine dicke Hornbrille besorgt und etwas nervös an. Unablässig schaut er in alle Richtungen und möchte anscheinend sicher stellen, dass uns niemand sieht. Ich muss schrecklich nach einem Gewaltopfer aussehen. Wie er sich über mich beugt würde ein Entdecken sicher nicht gut für ihn ausgehen.

„Es tut mir Leid, ich wollte Sie nicht so erschrecken.“
Ich schweige.

„Okay, das klingt jetzt bestimmt merkwürdig und ich bitte Sie ruhig zu bleiben und kein Theater zu machen.“
Ich schaue Ihn verwirrt an. Das scheint ihm als Zustimmung zu genügen.

„Ich kann Ihnen bei Ihrem verschwundenen Kind helfen.“
„IST DAS IHR ERNST??? Warum gehen Sie nicht zur Polizei, was zur Hölle soll diese Scheiße?“ Ich schreie ihn heiser an und meine Stimme überschlägt sich, sodass er wahrscheinlich nicht mal die Hälfte verstehen kann.

„Glauben Sie etwa, dass ich das nicht machen würde, wenn ich könnte? Sehen Sie doch nur was mit Ihnen passiert ist?!“ jetzt sieht er schon fast albern aus wie er sich auch noch nervös die Brille ständig auf die Nase schiebt und wie ein Erdmännchen bei jedem Geräusch aufschreckt.
„Blödsinn! Ich hatte einen Autounfall! Und jetzt gehen wir zur Polizei und Sie klären das verdammt noch mal auf!“ ich richte mich auf und setze an aufzustehen. Die linke Seite zieht so sehr, dass mir wieder schwarz vor Augen wird. Der junge Mann stützt unter den Armen und zieht mich hoch. Alles schmerzt und ich hasse fremde, die mich ungefragt berühren, aber ich stehe.
„Beruhigen Sie sich. Kommen Sie mit und ich erkläre Ihnen alles. wir müssen hier weg!“ er redet ganz leise.

Er ist im Moment meine einzige Chance Mia zu finden. Jack redet eh nicht mit mir.

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Sein Auto ist ein alter Camarro. Alles klappert und rumpelt, es riecht komisch und überall liegt Müll. Er bemerkt meinen angeekelten Blick und ich versuche mich zusammenzureißen.

„Wer sind Sie überhaupt? Und was haben Sie mit meiner Tochter zu tun?“ Ganz offensichtliche Fragen, die mir erst einfallen, da ich seine schlacksige Statur neben mir auf dem Fahrersitz sehe. Meine Güte, er sieht nicht mal so aus als wäre er alt genug für einen Führerschein.

„Ich bin Journalist“ erzählt er fast stolz. „Seit einigen Monaten bin ich bei der NY Times angestellt und recherchiere über die dunkle Seite New Yorks.“ Bei den letzten Worten verstellt er seine Stimme wie für die Gruselgeschichte vor einem Kleinkind.
Meinem Schweigen entnimmt er anscheinend noch mehr Neugierde und redet weiter drauf los.

„Mit sehr viel Glück habe ich innerhalb der ersten zwei Monate entdeckt, dass im Krankenhaus Paare abgefangen werden, deren Neugeborenes oder Kind verstorben ist. Sie werden „therapiert“ in einer dieser mega-modernen Kinder-Wunsch-Zentren.“ Er redet fast beiläufig beim Fahren, als würde er seinen Redakteur updaten. „Eine dieser Praxen ist besonders erfolgreich. Schon nach wenigen Tagen sind die Paare plötzlich wieder glücklich und lehnen jegliche weitere Hilfe von den Versicherungen und Ärzten ab. Ja, sie wollen nicht nur keine Hilfe mehr, sie verschwinden einfach und brechen jeglichen Kontakt zu Familie und Freunden ab. Sie müssen mit Ihrem Schicksal klarkommen und Abstand gewinnen sagen die Therapeuten. Kommt Ihnen das bekannt vor?“

Völlig fassungslos schaue ich ihn an. Was will der von mir? Wir waren nie in Therapie. Eine Paartherapie hätte uns sicherlich gut getan, aber eine Kinder-Wunsch-Praxis? Wofür? Wir haben doch Mia bekommen! Verwirrt und verärgert zog ich an meinen Ärmeln. „Was soll das? Wollen Sie auch mal auf den Punkt kommen oder mir eine Geschichte verkaufen? Da muss ich Sie enttäuschen, wir haben dafür kein Geld!“

Etwas enttäuscht, weil ich offenbar nicht selbst darauf gekommen bin, sagt er „Jack ist dort gewesen. Nachdem Sie ihr Kind im Kreißsaal verloren hatten, ist Jack dort hingegangen und hat sich „therapieren“ lassen. Seitdem er dort aufgetaucht war, folgte ich ihm und auch dir.“

Verängstigt versuchte ich die Tür aufzureißen. Dieser Psychopath wollte mir nie helfen, wer weiß wo er mich hinfährt. Diese verdammte Autoverriegelung ließ mich nur schmerzhaft gegen die Tür fallen und Tränen schossen mir in die Augen. „Lassen Sie mich raus! Halten Sie an!“ schrie ich völlig hysterisch. Verwirrt wurde er langsamer und fuhr in die nächste Seitenstraße. „Sie verstehen nicht. Kurz nach der Geburt … Ihr „Tapetenwechsel“. Jack hat Mia aus dieser „Kinder-Wunsch-Praxis“ und Ihnen als Ihr eigenes gegeben. Traumatische Erlebnisse lassen Erinnerungen verschwinden. Oder auch verändern. Im Kreißsaal haben Sie ihr eigenes Kind verloren und Ihre Erinnerungen trügen Sie, wenn Sie glauben Mia wäre Ihrs. Jack hat sich so hoch verschuldet, um die Praxis auszuzahlen. Er hatte allerdings nicht genug Geld. Er dachte, er könnte mit Mia und Ihnen verschwinden. Was offenbar bis vor wenigen Tagen funktioniert hat. An dem Abend, als Mia veschwand kamen sie, um sie zurück zu holen. Zumindest bis das restliche Geld da ist.
Jack hat sich nicht sonderlich geschickt angestellt beim Veschwinden, sogar ich konnte ihm folgen.“ Stolz grinste er mich an. Das Grinsen verschwand sofort, als er meinen entsetzten Gesichtsausdruck sah. „Es tut mir leid, dass Sie das so erfahren. Und von mir. Aber Mia ist nicht Ihre Tochter, Sie haben keine Tochter.“

Wir stehen bereits seit geraumer Zeit in der Seitenstraße direkt hinter der Kreuzung. Das Auto ist auch schon längst entriegelt. Das kann alles nicht wahr sein. Schwindelig vor wirren Gedanken und Trauer über das Gehörte wird mir schlagartig übel. Ich reiße die Tür auf und versuche mich zu übergeben. Ohne etwas im Magen geht das allerdings schlecht. Die Magensäure brennt im Hals und in der Kehle. Er versucht mich mit einem Tätscheln auf der Schulter zu beruhigen und ich schlage seine Hand weg. „Lass mich bloß in Ruhe, du Irrer! Was soll das alles? Warum erzählst du mir so einen Schwachsinn?“ zische ich Ihn an.

Erst jetzt merke ich, dass wir nicht in irgendeiner Seitenstraße stehen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht ein helles Gebäude mit weißer Front und riesigen Glasflächen „Kinderwunsch-Zentrum – hier werden Sie nicht allein gelassen“.
„Mir werden sie nichts erzählen, ich bin kein Kunde. Aber Sie.“

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Es ist alles sehr hell. Dezente indirekte Beleuchtung lässt die Räume angenehm warm leuchten. Obwohl ich furchtbar aussehen muss, fühle ich mich hier drin direkt etwas besser. Als wäre ich im Erholungsurlaub.

„Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?“ strahlt mich die freundliche (und sehr hübsche) Empfangsdame an. Sie lässt sich durch mein Äußeres gar nicht beirren. Dass hier regelmäßig gebrochene Menschen erscheinen lässt anscheinend schnell abstumpfen.

„Ähem, ja, ich bin mir nicht sicher.“ stammele ich vorsichtig und leise vor mich hin.
„Setzen Sie sich doch und erzählen Sie mir in Ruhe was Sie zu mir führt.“
Unsicher spiele ich an meinem Ärmel. „Ich glaube, …“ ich atme tief durch. „Mein Mann Jack Connor und ich sind Kunden, ich meine Patienten, bei Ihnen. Ich möchte gern unsere letzten Sitzungen durchgehen, weil ich durch einen Unfall an einer Amnesie leide. Könnten Sie mir Sitzungsnotizen ausdrucken?“

Sie schaut mich verwirrt an. „Es tut mir Leid, das ist nicht möglich.“ Ihre Stimme ist ruhig und fest. „Es muss Ihnen doch klar sein, dass wir über unsere Patienten – wie Sie es sind – keine ausführliche Akte führen. Gibt es etwa Probleme?“ Während sie das fragt tippt sie schon an Ihrem Rechner und ist offenbar fündig geworden. Mit dem Mausrad scrollt sie zunächst schnell dann immer langsamer und schließlich wieder etwas zurück.

„Einen Moment bitte.“ Sie steht auf und geht in das naheliegende Glasbüro. Geduckt telefoniert sie und macht dabei merkwürdig kleine, zuckende Bewegungen in meine Richtung. „Als würde das der Angerufene sehen“ denke ich gerade noch als mir klar wird, dass sie wegen mir Alarm gibt. Wenn die Story von dem Journalisten stimmt wäre das auch kein Wunder. Langsam stehe ich auf und versuche in nicht allzu großen Schritten zum Ausgang zu gelangen bevor das Telefonat vorbei sein würde.

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„Ich habe gar nichts bekommen“ ungeduldig hat er mich in Empfang genommen. „Und wie heißt du überhaupt?“ Ich lasse mich langsam auf den Beifahrersitz gleiten. Alles tut weh aber ich bin voller Adrenalin und will einfach nur Mia wieder.

„Aber sie haben bestätigt, dass ihr Patienten seid?“ fragt er ungeduldig.

„Ich antworte auf gar nicht mehr, bis ich nicht weiß, wie du überhaupt heißt! Und dann fahren wir zur Polizei.“ Ich schaue ihn schon gar nicht mehr an und versuche mich mühselig anzuschnallen ohne meine Seite zu belasten. Verdammte Rippen.

„James. Ich bin James Weasler. Und wir sollten tatsächlich zur Polizei. Aber nicht hier, das ist zu gefährlich. Wenn die dich noch mal erwischen, kommst du vielleicht nicht mit so viel Glück davon. Wir fahren nach Dover.“ Der Motor röhrt kurz auf und er fährt auch schon los.

Mir ist fast das Herz stehen geblieben. Dover. Hat er mich da etwa auch beobachtet? Hat er vielleicht auf mich geschossen? Wieder greife ich zur Tür. „Woher weißt du von Dover?“

Jetzt fällt ihm auch auf wie nervös er mich gemacht hat „Ich habe nicht Jack oder dich beobachtet, sondern Mia. Mia war der Schlüssel zu meiner Story. Und dann war sie weg, also musste ich dir hinterher, um sie wieder zu finden. Verstehst du? ich habe gesehen, wie sie hier in der Polizei dir aufgelauert haben. Dich bedroht haben und du schließlich fliehen konntest. Wenn auch angeschossen. Deine Idee in das nächste Bezirk zur Polizei zu fahren war dennoch nicht schlecht. Und das machen wir jetzt auch.“

Immer noch verwirrt lehne ich mich ganz weit gegen die Tür „Du redest ständig von „sie“ und „ihnen“, wer sind sie?“

Jetzt lacht er kurz. Kein fröhliches Lachen, eher frustriert. „Na, die Ärzte aus dem Kinderwunsch Zentrum. Wer verdächtigt schon Ärzte, sie wollen doch nur der Irren helfen.“ Bei „der Irren“ zeigt er gelassen mit der rechten Hand auf mich.

Langsam wird mir alles klar. Jack wurde von deren Limousine nach Hause gebracht – sicher eine Zahlungserinnerung. All die Geizereien trotz seines guten Einkommens, weil er ein Kind gekauft hatte. Und seine ständigen Vorwürfe, er würde alles für mich tun. Wahrscheinlich dachte er das wirklich bei seinem kranken Vorhaben. Völlig in Gedanken schwiegen wir uns die restliche Fahrt an.

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„Das ist aber ein ganz schön harter Vorwurf. Und das alles so ganz ohne Beweise.“ Der Polizist ließ sich nicht beirren. Wir beide hatten ihm mehrfach die gesamte Geschichte versucht begreiflich zu machen, aber er glaubt uns kein Wort, möchte nicht mal irgendetwas überprüfen. Gerade als ich aufgeben wollte, viel mir die Vermisstenanzeige auf. Das richtige Kind laut dem Foto, allerdings stand nicht Mia Paradise Connor darüber. „Emily Bringe hat braune Augen und blonde Haare,
ist 52 cm groß und wiegt 3400 Gramm. Sie wurde nach der Entbindung aus der Geburtstation entführt.“

Völlig fassungslos starre ich den Aushang an. „Das ist Mia.“ sage ich leise, aber anscheinend laut genug, dass der Polizist endlich aufmerksamer wird. „Was sagten Sie gerade?“

Ich schaue ihn groß an. „Das ist meine Tochter. Mia. Sie wurde vor meinem Autounfall aus meiner Wohnung entführt. Und vorher anscheinend aus Ihrem Bezirk entführt.“ Nun hatte ich nicht nur seine Aufmerksamkeit, sondern auch die seiner Kollegen und Kolleginnen. Wir erklärten noch mal alle Einzelheiten, besonders die Reaktionen des Kinderwunsch Zentrums und die Beobachtungen von James wurden eifrig notiert. „Sie bleiben hier. Als Zeugen werden sie vorerst in Schutzhaft genommen bis wir vor Ort waren.“

Jetzt richtet er sich an seine Kollegen „Keine Information geht nach draußen“ er zeigt auf James „auch nicht an die Presse. Sie dürfen nicht vorgewarnt werden.“ Er stellt sein Team zusammen und verschwindet mit ihnen im Konferenzraum.

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Mia – Emily ist wieder zu Hause. Ihre Eltern haben bei der ersten Zusammenkunft fast nur geweint. Ich hatte gebeten dabei sein zu dürfen und sie hatten nichts dagegen. Ich bereue es allerdings sehr. Es schmerzt fast mehr zu wissen, dass Mia lebt, aber nie meine Mia war.

Ich hoffe, euch hat mein Ende gefallen! Falls nicht, probiert doch mal das hier aus ;)

Falls euch das Originalende interessiert, könnt ihr „Remember Mia“ hier bestellen.

[Lesefortschritt] Karin Slaughter

KSlaughter3
Bildquelle: karinslaughter.com

Grant-County-Serie

Belladonna
Sara Linton und Jeffrey Tolliver sind auf der Jagd nach einem Serienmörder, der seine Opfer grauenhaft vergewaltigt und verstümmelt bevor sie zu Tode kommen. Nicht jedes Opfer wird tod aufgefunden, besonders hilfreich sind sie scheinbar allerdings nicht bei der Lösung des Falls.

Seite 475 von 475

(Rezension folgt noch)

Vergiss mein nicht
Vor der Rollschuhbahn begeht ein junges Mädchen Selbstmord. Was Sara und Jeffrey infolgedessen herausfinden sind so einige grausame Geheimnisse harmlos wirkender Familien in der kleinen Stadt.

Seite 512 von 512

(Rezension folgt noch)

Dreh dich nicht um
Saras Schwester Tessa wird brutal überfallen, während sie auf Sara an einem Tatort warten sollte. Nicht nur die Jagd nach dem Täter, sondern auch eine harte Belastungsprobe für Saras Familie beginnt.

Seite 480 von 480

(Rezension folgt noch)

Schattenblume
Es ereignet sich ein Geiseldrama bei dem Sara und Jeffrey unter den Geiseln sind. Jeffrey wird schwer verletzt und ein Polizist erschossen. Es werden jedoch keine Forderungen gestellt. So beginnt ein schier hoffnungsloser Wettlauf gegen die Zeit.

Seite 480 von 480

Gottlos
Sara und Jeffrey finden im Wald die Leiche eines Mädchens. Sie wurde lebendig begraben und ist nicht das einzige Opfer.

Seite 544 von 544

Zerstört
Die verbrannte Leiche im Autowrack soll nicht die einzige bleiben und ausgerechnet Jeffreys Kollegin Lena ist die Hauptverdächtige…

Seite 119 von 508

[Rezension] Splitter

Splitter Book Cover Splitter
Sebastian Fitzek
Thriller, Psychothriller
2009
375

Marc Lucas erlebt einen grauenhaften Autounfall, bei dem seine Frau und sein ungeborenes Kind sterben. Monate nach dem Unfall wird er zu einem Experiment eingeladen, dass das Vergessen dieses traumatischen Erlebnisses ermöglichen soll. Bereits nach den ersten Tests beginnen die verheerenden Ereignisse...

Das Buch beginnt mit dem abschließenden Kapitel. Dennoch ist der Ausgang der Geschichte nicht ganz klar.

Der Anfang der eigentlichen Geschichte ist fesselnd. Nach den ersten Kapiteln wurde es inhaltlich etwas chaotisch und zwischenzeitlich musste ich mich sogar zwingen weiterzulesen, weil die Handlungen sehr verworren wurden und die Spannung etwas abflaute. Ich folgte einem Irren (Marc Lucas) mit zunehmenden psychischen und physischen Einschränkungen durch ewig dunkle Straßen in Berlin. Dann wurde es so durcheinander, dass ich nicht mehr neugierig war, ob Marc tatsächlich irre war, sondern wie diese undurchdringlichen Verstrickungen und mehr und mehr werdenden Fragen irgendwie zu einem Zusammenhang gebracht und gelöst werden könnten. Die Handlungen überschlugen sich mit verwirrenden Geschichten von Marc und auch von seinem Bruder. Schließlich trafen beide Geschichten zusammen und manche Aspekte ergaben einen Sinn. Zusätzlich wurden neue Fragen aufgeworfen. Eigentlich fragte ich mich immer wieder „warum?“. So langsam war der Rest des Buches immer dünner und unerträglich viele Fragen noch offen.

Die letzten 100 Seiten habe ich geradezu verschlungen und (für mich) überraschenderweise wurde tatsächlich alles beantwortet. Die Kern-Frage (Was sollte das alles mit diesem Memory-Experiment?) wurde für meinen Geschmack etwas zügig beantwortet und „dieses Ende“ war deswegen etwas enttäuschend. Das Ende der Geschichte war, wie das Buch, verwirrend-verworren und überraschend. Das passte allerdings in das Gesamtbild und war deswegen überraschend gut. Aber dazu möchte ich nicht zu viel verraten, ihr sollt ja auch noch euren Spaß daran haben. ;)

Der Schreibstil in diesem Buch ist für mich recht chaotisch gewesen mit vielen Fetzen unterschiedlicher Geschichten, das ist nicht ganz mein Fall. Die Story hatte seine Höhepunkte und überraschende Wendungen, deswegen würde ich das Buch trotz der Verwirrungen weiterzuempfehlen. Ich bin gespannt, was der Augensammler so mit sich bringt. Das liegt aktuell abends vor mir. :)

Insgesamt bekommt das Buch von mir vier von fünf Zahnrädchen. Lest es. Seid verwirrt. Und lasst euch vom Ende überraschen. :)