Arbeiten und Leben in Mexiko

Durch das Duale Studium bei der Continental AG hatte ich die Chance meine Praktika in der vorlesungsfreien Zeit im Ausland zu verbringen. Mein erstes Sommerpraktikum verbrachte ich also nach kurzer organisatorischer Absprache in San Luis Potosí in Mexiko.

Ich habe bereits in der Vorbereitung des Praktikums von Deutschland aus Kontakt zu meinen Betreuern in Mexiko aufgenommen, mit ihnen telefoniert und gemailt. Nicht nur mein disziplinarischer Vorgesetzter hat mich in der Vorbereitung und Durchführung unterstützt, sondern auch Kollegen, die mich vor Ort aufgenommen und in das soziale Leben nach dem Feierabend und an Wochenenden integriert haben.

Die Mentalität der Mexikaner ist vergleichbar mit unseren südländischen Nachbarn – sie sind unheimlich freundlich, familiär und gastfreundlich.

Ich wurde nach meiner gut 30-stündigen Reise von meiner Betreuerin am Flughafen in San Luis Potosí abgeholt und nach einem kurzen Kennenlernen und Abendessen in das Hotel gebracht.

Gleich am nächsten Tag war ich abends auf einer Feier eingeladen (obwohl ich niemanden kannte, habe ich mich ununterbrochen mit allen möglichen Menschen unterhalten und auch jede Menge neue Leute kennengelernt). Ab diesem Zeitpunkt wurde schon jedes Wochenende, das ich in Mexiko verbringen würde mit Feiern und Einladungen verplant – Ich sollte schließlich alles kennenlernen können, was die Umgebung bot.

Ich war am Freitag Abend gelandet und hatte das Wochenende, um mich an die Zeitumstellung und die neue Umgebung zu gewöhnen.

Am Montag war mein erster Arbeitstag, und auch die erste große Überraschung: Das Industrial Engineering bestand zu 50% aus Frauen. Die Organisation war der, die ich bereits aus Deutschland kannte, sehr ähnlich. Jeder Ingenieur hat seinen Maschinenbereich, um den er sich bei technischen, logistischen oder instandhalterischen Problemen kümmert. Ich habe ab dem ersten Arbeitstag meinen eigenen Maschinenbereich zugewiesen bekommen. Durch die chronische Unterbesetzung im Ingenieurwesen (ja, auch in Mexiko) war es kein Problem mich ernsthaft in die Abteilung zu integrieren und nicht irgendwelche Praktikanten-Tätigkeiten erledigen zu müssen. In der ersten Woche habe ich noch Hilfestellungen und Unterweisungen bekommen, um mich dann anschließend selbst um laufende Projekte rund um „meinen“ Bereich selbst kümmern zu können. Ich wurde überraschend schnell sehr positiv in allen Abteilungen angenommen und meine Arbeit, sowie meine Meinung sehr ernst genommen. Alles in allem war es eine sehr positive Erfahrung in einer anderen Kultur beruflich tätig zu sein. Es gibt natürlich einige Unterschiede im Gegensatz zu Deutschland. Je nachdem auf welcher Ebene man sich bewegt, bemerkt man diese stärker, oder auch nicht. In den Führungsebenen waren sprachliche Fähigkeiten und Arbeitseinstellung den in Deutschland sehr ähnlich: alle konnten sich auf deutsch verständigen und haben ihre Arbeit gewissenhaft und zuverlässig erledigt. Bei der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern direkt an den Maschinen hätte es schon eher Schwierigkeiten geben können, da hier keiner Englisch gesprochen hat. Da ich schon vorab Spanisch gelernt hatte, hatte ich da glücklicherweise trotzdem kein Problem. Aber nicht nur die Sprache, auch die Mentalität und Arbeitseinstellung ist gewöhnungsbedürftig. In Deutschland kann geradeheraus eine Leistung in einem Zeitraum beurteilt werden (anhand von Stückzahlen, Qualität, etc.). Dies ist rein theoretisch in Mexiko auch möglich, jedoch wird dadurch niemand motiviert und schon gar nicht die Qualität verbessert. Hier kann eher durch loben und „das Positive finden und fördern“ motiviert werden. Wenn man also um Rat fragt, anstatt gleich zu belehren, reden die meisten Mitarbeiter ehrlich und offen über Probleme, Arbeitseinstellung und Lösungsmöglichkeiten.

Zusammenfassend war die Arbeit immer sehr inspirierend und genauso fordernd wie auch fördernd.

Natürlich ging es in den 2 Monaten Praktikum in Mexiko nicht nur um Arbeit, sondern auch darum das soziale Leben und die Kultur des Landes etwas näher kennenzulernen.

In Mexiko ist es üblich 6 Tage die Woche, also von Montag bis Samstag zu arbeiten. Ich denke der einzige Grund, warum am Sonntag nicht gearbeitet wird, ist, dass die meisten Mexikaner sehr religiös sind, und somit am Sonntag in die Kirche gehen.

Für junge Menschen heißt das: Samstag etwas neben der Spur zur Arbeit gehen, oder Samstag Nachmittag/ Abend zum feiern nutzen und genießen. Größtenteils traf die zweite Option zu. Nachmittags sind wir also in Museen gegangen und abends in Diskotheken, Bars und Clubs. Auch Haus-Parties, besonders an Geburtstagen oder Abschiedsparties waren dabei.

Zunächst aber zu den Museen: Die schönsten drei waren das  „Museo Laberinto de las Sciencias“, das „Museo Federico Silva“ und „Museo Nacional de las Máscaras“. Ich denke die Namen sagen schon ziemlich viel aus, dennoch eine kleine Beschreibung und ein paar wenige Impressionen:

Das Museo Laberinto de las Sciencias ist vergleichbar mit dem Phaeno in Wolfsburg, es bietet einige mitmach-Experimente, Exponate und ein 3D-Kino mit Dokumentationen. Es ist ein Muss, für alle, die Technik, Natur und Physik hautnah erleben wollen.

Das Museo Federico Silva ist ein Museum der modernen Kunst. Hier werden aber keine Gemälde oder Bilder ausgestellt, sondern Skulpturen und Figuren. Mit viel Phantasie und Interesse an Kunst und Skulpturen kann man hier viel Spaß haben.

Das Museo de las Máscaras bietet nicht nur eine Sammlung beeindruckender Masken, sondern auch eine historisch geordnete Geschichte der Region und des Landes.

Ich hatte nicht nur das Glück sehr viele neue Freunde kennenzulernen, sondern auch in die Familie integriert zu werden. Die Schwester des Freundes meiner Betreuerin (ja, ich habe viele kennengelernt) hat in dem Zeitraum geheiratet, als ich vor Ort war. Zwar nicht in San Luis Potosí, aber in Puerto Vallarta. Und – hey – wer möchte sich schon eine Hochzeit am Pazifischen Ozean entgehen lassen, dafür fährt man schon mal 8 Stunden durch Mexiko. Da die Hochzeitsgesellschaft schon die Woche vor der eigentlichen Hochzeit im paradisischen Urlaubsort verbracht hat (die auch bei US-Amerikanern sehr beliebt ist), bin ich am Freitag allein angereist, und habe bis Sonntag mit im Hotel genächtigt, in dem die Hochzeit statt fand. Und es hat sich natürlich gelohnt! Zwar hat es am Tag vor meiner Ankunft gestürmt und ich konnte weder Tauchen noch schwimmen im Pazifik, aber die Umgebung ist so wunderschön, dass es sich allemal lohnte. Am Samstag bin ich dann mit dem in die USA ausgewanderten Onkel der Braut und seiner Familie durch Puerto Vallarta gelaufen und habe mir die Gegend angeschaut.

Abends fand die traumhafte Hochzeit teilweise in der Kirche und teilweise am Strand statt. Am nächsten Morgen endete dann die Feier in einer örtlichen Diskothek. Am Sonntag Mittag bin ich dann mit der Cousine der Braut nach San Luis Potosí gefahren. Da sie Medizinerin ist, haben wir uns die ganze Fahrt über das Sozialsystem in Deutschland und Mexiko unterhalten (wir müssen uns weniger beschweren ;)).

Die Hochzeit am Pazifik war allerdings nicht mein einziges Highlight während meiner Zeit in Mexiko. Ca. 2 Stunden Autofahrt südlich von San Luis Potosí (Wüstenlandschaft) liegt eine kleine Oase: Laguna Media Luna. Hier herrschen tropische Temperaturen, ein wunderschöner Campingplatz, mit Lagerfeuer-Romantik und natürlich der Möglichkeit zu Tauchen! In dem See sind so hohe Temperaturen, dass ich gänzlich auf ein Neoprenanzug verzichten konnte. Als PADI Taucher gab es auch keine Probleme an eine Ausrüstung zu kommen – geschweige denn an Tauchbuddys.

Zusammenfassend war das Praktikum eine sehr schöne Erfahrung und für jeden, der kein Heimweh hat weiterzuempfehlen ;)

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